Tierschutz Region Thun
Jahresbericht des Präsidenten 2010
Wir haben Glück: auf die Rücktrittsankündigung von Dr. Max Schiffmann als Vereinstierarzt und von Christine Wittwer als Leiterin der Tierauffangstation ist es uns gelungen, mit den beiden Tierärztinnen Monika Benninger von der Tierklinik und Daniela Scheffel sowie mit Beatrice Salzmann als Leiterin der neuen Auffangstation Moos geeignete Nachfolgerinnen zu finden.
Im Vorstand haben wir uns weiterhin auf die erfahrene Unterstützung von Marianne Staub und Sämu Graber verlassen können. Karin Sprecher gebührt Dank für die redaktionelle Betreuung der Mitteilungen und Hanni Berger für die engagierte Regie bei der Betreuung und Platzierung von Hunden.
Im Frühsommer haben wir mit der Hilfe von Jägern unserer Region zum ersten Mal den ISA Wildretter eingesetzt. Die Presse hat über die Ausbildung und die Erfahrungen berichtet.
In der zweiten Jahreshälfte hat uns das Projekt Auffangstation Moos sehr beschäftigt: Gesuche mit Papierkrieg, viel guter Wille bei der Mitarbeit, Gratismaterial und –stunden sowie gute Ideen aus der Zusammenarbeit der Bauleitung mit dem Schreiner haben zu einem sehr guten Ergebnis geführt.
In einer Arbeitsgruppe des Dachverbandes Bernischer Tierschutzvereine habe ich bei der Vorbereitung der Fachveranstaltung TS Vollzug im Kanton Bern mitgewirkt. Die drei Anlässe waren ein Erfolg und werden zur Verbesserung der Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Stellen beitragen.
Die beiden folgenden Themen bleiben nach meiner Beurteilung ein ungelöstes Problem:
An der Fachveranstaltung ist ein Merkblatt des Bundesamtes für Veterinärwesen BVET betreffend Gewerbsmässigkeit bei Heimtierzuchten verteilt worden. Auf diesem Merkblatt finden sich Richtwerte, welche so hoch angesetzt sind, dass sie der Definition der Gewerbsmässigkeit in der Tierschutzverordnung widersprechen und eigentlich rechtswidrig sind. Das Gesetz würde die Möglichkeit zur Begrenzung des Problems bieten, wird aber durch Vorgaben der Vollzugsbehörden lahmgelegt.
Die Überpopulationen und die Verwilderung von Katzen vorwiegend auf dem Lande sind ein schwerwiegendes Problem, das uns Sorgen und Kosten verursacht. Dabei geht es auch hier um die Grundbeziehung zwischen Tier und verantwortlichem Halter. Wenn rund um einen Hof unzählige „herrenlose“ und kranke Katzen leben, so kann es nicht Sache des Tierschutzes, des Kreistierarztes oder der Behörden sein, auf ihre Kosten eine Sanierung durchzuführen. Katzen gehören zu einem Haus oder Hof; der Besitzer oder Pächter ist ihr Halter. Dasselbe gilt für die Jungtiere, wenn sie sich vermehren. Werden zugelaufene Tiere gefüttert, so dass sie beim Hof bleiben, so gehören sie auch dazu.
Wie vermeiden? – eigene Katzen kastrieren und chippen lassen, - Jungtiere platzieren, - die eigenen Katzen in einem geschlossenen Raum füttern und so ungeladene Gäste ausschliessen.
Behörden und Polizei dürfen auf den simplen Hinweis nicht eintreten, die Tiere seien zugelaufen und gehörten nicht dem Hofbesitzer. Die Tiere zeigen, wen sie als Halter ansehen. Die Verantwortung des Halters beginnt, sobald er ein Tier länger als eine Woche gefüttert wird und auf dem Hof bleibt.
Ich stosse immer wieder auf neue halbstaatliche Organisationen mit eigener Zuständigkeit für Tierschutzaufgaben, die sie ermächtigen, Landwirtschaftsbetriebe mit Formularen in der Hand zu besuchen. Was erreicht wird, ist oft eine generelle Abwehrhaltung der Bauern gegen den Tierschutz, unter welcher wir freiwillige Vereinstierschützer zu leiden haben.
Dabei geht es nur um Nutztiere, die unkoordiniert von verschiedenen Stellen begutachtet werden. Die Haltung von Hunden, Katzen und Kaninchen wird nicht beachtet, obwohl gerade hier Vieles im Argen liegt.
In diesen Zusammenhang gehört auch der Unsinn, dass die mit einem Tierhalteverbot für Nutztiere bestraften Missetäter trotzdem Hunde und Katzen halten oder sogar züchten dürfen.
Zum Schluss mein Ausblick auf das Jahr der Kaninchen:
Ihr Lebensziel ist es, gefressen zu werden. Wer sich aufrichtet, stösst den Kopf an der zu niedrigen Decke des Käfigs. Ein Auslauf in der Wiese ist ein Luxus. Zu oft sind Kaninchen bei der Fütterung und beim Spiel abhängig von Kinderlaunen. Nur für die Aussteller ist die Welt in Ordnung, obwohl viele „Hofkaninchen“ noch zu oft wie Nachtschattengewächse hinter dem Haus vegetieren. Dabei wäre es eine edle Aufgabe für Züchtervereine, ab und zu auch die Verhältnisse der nützlichen Tiere zu überprüfen.
Wir wollen uns diesen Verhältnissen im nächsten Jahr besonders widmen. Helfen Sie uns mit, nicht artgerecht gehaltenen Kaninchen zu helfen.
Beat Haldimann